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Goodbye Rosa?

In meinem Hinterkopf hat sich seit geraumer Zeit ein Projekt festgesetzt und meldet sich immer lauter zu Wort. Wenn Alles so läuft, wie ich es mir wünsche, werde ich das nächsten Sommer durchziehen. Mein Plan ist eine Umrundung Westeuropas, immer an der Küste entlang, das Meer rechts von mir. Also Niederlande, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal, Spoanien, Frankreich, Italien.


Meine S1000R Tina ist als reiner Sportler dafür denkbar ungeeignet. Enger Kniewinkel, vorgebeugte Sitzhaltung, wenig Möglichkeit Koffer zu befestigen. Außerdem wäre das ohnehin eine Vergewaltigung dieses Fahrzeugtyps. Tina will auf Landstraßenkurven rumschwänzeln, sich ab und zu auf der Rennstrecke austoben, nicht als Gepäckesel missbraucht werden.


Rosa, die R1200R, würde sich schon eher eignen. Koffer und Topcase für Gepäck für drei Monate kann sie locker schleppen. Allerdings sind 6.000 plus X Kilometer auf einem naked bike sicher auch nicht das wahre Vergnügen.


Deswegen bin ich am Überlegen, Rosa im Hinblick auf diese lange Reise zu ersetzen, auch wenn es mir schwer fallen würde, mich von ihr zu trennen. Zudem sind Tina und Rosa Motorräder mit halbwegs ähnlichem Einsatzgebiet. Deswegen wäre eine Erweiterung des Gebrauchsspektrums durch ein völlig anderes Bike schon sinnvoll.


Und woran denkt der geneigte Leser dabei als Erstes? Natürlich: Eine GS. Ich habe mich dem Gedanken an so ein Riesentrumm bisher katgorisch verweigert. Mein Idealbild eines Motorrads ist schlank, nicht zu schwer, wendig, heiß auf Kurven, bei passender Gelegenheit auch mal etwas schneller, kein unnötiger Krimskrams dran wie hoher Windschild, Koffer, Handschützer usw. Ein nackiges Bike halt.


Die GS ist natürlich genau das Gegenteil: Groß, wuchtig, schwer, viel Klimbim dran. Für mich ist das nur abschreckend. Und trotzdem, ja , ich glaub's ja selbst kaum, trotzdem habe ich jetzt mal eine Probefahrt mit einer GS gemacht.


Ich lese und höre ja andauernd, wie leicht sie sich trotz ihrer Größe und ihres Gewichts fahren lässt, was sie Alles kann, wie vielseitig sie doch ist, bla, bla, bla. Allerdings habe ich auch schon öfter erlebt, wie fette GSen mit einem Gebirge aus Alukoffern an Bord (was schleppen die bloß dauernd mit sich rum?) knieschleifende Fahrer in höckerbewehrten Lederkombis auf ihren quietschbunten und sponsorbeklebten Supersportlern in den Bergen nur für kurze Zeit in ihren Auspuff schauen ließen und dann ganz schnell außer Sichtweite waren.


Mein Leihmotorrad hatte die HP-Lackierung, also weiß mit blauen und roten Applikationen, wie meine Tina. Das gefiel mir schon mal gut. Ich war erstaunt, wieviel leichter und vergleichsweise grazil sie damit aussieht im Vergleich zu den dunklen Farben und vor Allem zur noch voluminöseren Adventure-Version, mit ihrem 30 Liter-Tank breit wie ein LKW und wuchtig wie ein Panzer.


Und, was soll ich sagen, bei Fahren erfüllte sie doch tatsächlich alle die gehörten "Vorurteile". Sie zeigte keine Spur von Behäbigkeit, der 1250er Motor ist im Vergleich zu Rosas 1200er nochmal etwas spritziger und im niedrigen Drehzahlbereich elastischer und kaum bockig, die Schräglagenfreiheit ist schon fast abenteuerlich. Gebremst wurde das Kurvenvergnügen nur durch die rumpeligen und für mein Gefühl wenig Vertrauen erweckenden, etwas grobstolligen Pseudo-Geländereifen.


Was mir auch nicht gefällt ist die Lautstärke. Laut Fahrzeugschein hat sie ja ein recht niedriges Standgeräusch. Beim beherzten Dreh am Gasgriff lässt sie aber nicht nur kräfte- und beschleunigungsmäßig die Pferde los, sondern auch akustisch eine Horde Löwen mit ein paar trompetenden Elefanten als Backgroundchor. Mir ist schleierhaft, wozu der Krach gut sein soll. Bei den Anliegern macht man sich damit sicher nicht gerade beliebt.


So, ich werd mal ein paar Nächte drüber schlafen und dann entscheiden, ob ich meine geliebte Rosa eintauschen werde. Wenn ja, dann werde ich sicher auf die bald erscheinende neue Version mit Euro 5 statt 4 warten, um besser gewappnet zu sein gegen Fahrverbote.


Schaumer mal...




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