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Heute so, morgen so. Oder: Ab in's Gemüse!

  • Autorenbild: motolupo
    motolupo
  • 26. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Mai

Motorradfahren ist eigentlich eine recht vielseitige Angelegenheit. Ich habe es begonnen - und betreibe es weiterhin vorwiegend auf diese Weise - in der wohl gebräuchlichsten Art und Weise, nämlich ganz klassisch mit einem "normalen" Straßenmotorrad auf der "normalen", also asphaltierten Straße rumzufahren.


Weil ich den Motorradführerschein zwar schon mit 18 Jahren gemacht hatte, aber mir mein erstes eigenes Motorrad erst 2016 gekauft hatte, machte ich einige Sicherheitstrainings. Also Üben einer sicheren Kurvenlinie, Notfallbremsung, Fahren auf nassem und rutschigem Untergrund, Kurventechnik, auch sehr enge und langsam gefahrene Kurven, Ausweichmanöver und so weiter, alles, was hilfreich ist einen Tag auf der Straße ohne Zwischenfälle zu überstehen.


Einmal fand das Training auf dem Driving Center Baden statt, das auch eine Rundstrecke beinhaltete. Das brachte mich auf den Geschmack es auch mal auf einer Rennstrecke zu versuchen. Nicht um Rennen auf Zeit zu fahren, sondern um ohne Leitplanken, Gegenverkehr und Radarkontrollen mal richtig Gas zu geben. Einerseits machte es mir natürlich Spaß mich mit hohem Tempo zu bewegen, besonders, wenn dabei die Risiken des normalen Straßenverkehrs außen vor bleiben. Und ich gewann dabei erheblich Sicherheit für dem Motorradalltag. Denn nirgendwo sonst kann man sich relativ gefahrlos an höhere Schräglagen herantasten. Man hat ja logischerweise eine natürliche Scheu davor sich stark in die Kurve zu legen. Der Mensch ist nun mal für den aufrechten Gang konzipiert, und sich nicht in halbwegs vertikaler Position zu befinden wird erst mal als unnatürlich und gefährlich empfunden. Beim Befahren einer Kurve ist aber aus physikalischen Gründen eine mehr oder weniger starke Schräglage notwendig, abhängig von Kurvenradius, Geschwindigkeit, Gewicht und anderen Faktoren. In einer Gefahrensituation kann es notwendig sein, sich noch weiter in die Kurve zu legen, beispielsweise, wenn mir in einer Rechtskurve ein entgegenkommender Verkehrsteilnehmer zu nahe kommt oder die Kurve zum Ausgang hin "zumacht", also enger wird. Dann bleibt nur das sofortige Ausweichen nach rechts bzw. einen noch engeren Kurvenradius einzuschlagen. Wenn ich auf einer Rundstrecke viele Male erlebt habe, dass ich mich recht weit in Schräglage begeben kann, ohne umzufallen, fällt mir das in der Gefahrensituation leichter und ich kann einen Unfall eher vermeiden.



Dieses Herantasten an die maximal mögliche Schräglage kann dann auch mal bedeuten, dass ich erfahren muss, was zu viel ist...



Weil meine BMW R 1200 R mit ihrem breiten und tiefsitzenden Boxermotor relativ bald an ihre Grenzen kam, was unfreiwilligen Bodenkontakt betraf, legte ich mir als Zweitgefährt eine BMW S 1000 R zu, die für diesen Einsatzzweck optimal war. Ein wirklich hervorragendes Motorrad mit erstklassigem Fahrwerk und Motor. Allerdings sprach mich diese glatte Perfektion nicht so wirklich an, außerdem nervte mich die fiese Geräuschkulisse des Vierzylinders beim Gasgeben so sehr, dass ich sie nach einem Jahr gegen eine KTM Duke 890 R eintauschte. "Emma" hat weniger PS, aber für meinen Geschmack mehr Charakter durch ihr etwas ruppiges Zweizylinderrumpeln, zudem ist sie etliche Kilo leichter und dadurch deutlich handlicher. Inzwischen ist sie zu meinem Hauptgefährt geworden, die BMW "Rosa" steht immer öfter in der Garage und wird deswegen verkauft.



Zwischendrin habe ich auch immer wieder mal ganz andere Motorradtypen ausprobiert. Ein Tag auf einem Trial-Motorrad war sehr spaßig, wenn auch kräftezehrend.



Einige Zeit lang besaß ich einen elektrischen "125er" Roller. Der lief knapp 100 km/h, fast wie ein "erwachsenes" Motorrad, Bremsen, Fahrwerk und Schräglagenfreiheit waren aber mehr auf gemächliche Fortbewegung ausgerichtet. Das Gefährt war mir deswegen einerseits zu unsicher, andererseits etwas zu lahm, warum ich es wieder verkaufte.



Das passt zwar jetzt nicht genau zum Thema Motorrad, aber mit einem geliehenen E-Mountainbike habe ich mich zusammen mit meinem Enkel Max, der das sehr ambitioniert und gekonnt betreibt, auch schon das eine oder andere Mal auf einen Downhill-Trail gewagt. Zu einem ständigen Hobby werde ich das allerdings nicht machen. Um das sicher und gefahrloser zu betreiben, hätte ich einige Jahrzehnte früher damit beginnen müssen. Bin ja schließlich kein Jüngling mehr, und Koordination, Ausdauer und Kraft werden im Lauf der Jahre nicht wirklich besser.




Pitbikes ähneln Kindermotorrädern, sind winzig, reagieren halsstarrig und ruppig auf Gas- und Bremsbefehle und sind alles andere, als leicht durch die engen und schlüpfrigen Kurven der Indoor-Cartbahn zu bewegen. Aber für einen erlebnisreichen Tag im Winter sind sie hervorragend geeignet.



Kürzlich machte ich mit ein paar Freunden ein Offroad-Training für Sport-Enduro. Ich entschied mich beim Leih-Motorrad für eine elektrische Stark Varg EX.

Ein elektrisches Straßenmotorrad war ich schon mal zur Probe gefahren, eine ZERO SR/F. Das Fahrgefühl ohne Krach und Schalten gefiel mir da schon sehr gut. Im Gelände ist die relativ leichte, aber extrem kraftvolle Stark Varg ein leicht zu dirigierendes, kraftstrotzendes Gerät. Für uns Offroad-Neulinge war die Leistung auf 20 oder 30 Prozent limitiert, was immer noch mehr als ausreichend war.



Ich habe mir vor einiger Zeit ein Buch über Alpenpässe gekauft,

Darin sind viele nicht asphaltierte Strecken zu sehen, beispielsweise die bekannte Ligurische Grenzkammstraße und weitere. Das hat mich sofort schwer angefixt, und nach dem Enduro-Training fiel schnell der Entschluss, meinen Fahrzeugpark in dieser Richtung zu erweitern. Darum steht jetzt eine kleine KTM 390 Enduro R in meiner Garage. Bei ersten Testfahrten hier im Schwarzwald bestätigte sich, was ich mir von dieser Art des Motorradfahrens erwartet hatte: Ich gelange an Orte, die ich mit meinen Straßenbikes eher nicht erreiche, bewege mich abseits der oft überfüllten Strecken, genieße viel mehr Landschaft und Ruhe, fahre bei wesentlich niedrigerem Tempo entspannt - sofern unwegsames Gelände nicht für die notwendige Anspannung sorgt.


Natürlich muss ich darauf achten, nicht zu sehr in die Natur einzudringen und die ländliche Ruhe zu stören. Noch besser wäre für diesen Zweck ein elektrisches Enduromotorrad wie die genannte Stark Varg EX, mit der ich weder Krach noch Abgase verbreite. Im Moment halten mich noch der relativ hohe Preis und die etwas eingeschränkte Reichweite ab, aber das kann sich in den nächsten Jahren ja noch ändern...


Auf jeden Fall habe ich in den letzten zehn Jahren verschiedene Aspekte der zweirädrigen Fortbewegung kennengelernt und jede davon genossen. Die Rennstrecke wird mich in Zukunft eher nicht mehr oder nur noch gelegentlich sehen. Die Straße wird weiter mein hauptsächliches Revier bleiben, aber mit der Enduro hat sich mir ein weiteres, sehr interessantes Gebiet eröffnet.


Leider gibt es hier im Schwarzwald nicht allzu viele Möglichkeiten sich offroad fortzubewegen. Aber hardcore-Fahren im Gelände mit haushohen Sprüngen, Wasserdurchquerungen und Dreifachsalto über Felsbrocken ist ohnehin nicht, was ich will. Nicht asphaltierte Straßen, die auch befahren werden dürfen, gibt es aber einige...



...erfreulicherweise oft mit einer Almgaststätte am Ende. :-)



Und möglicherweise ist ja mal die Gegend um Bardonecchia mein Ziel mit ihren vielen Offroad-Strecken im hochalpinen Gelände. Schaumer mal...

2 Kommentare


Brummel
27. Mai

Schönschönschön, machst auf JvS Motorprosa ?

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motolupo
motolupo
vor 3 Tagen
Antwort an

Na ja, der kann das wesentlich besser als ich, der Jürgen. 😊

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