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Gegensätze sind das Salz in der Motorradsuppe

Oh Mann, ist das lange her, dass ich hier den letzten Beitrag geschrieben habe! Na ja, soviel bin ich schließlich seitdem nicht mit Rosa oder Tina unterwegs gewesen. Ich fahre zwar auch im Winter, wenn die Straßen schneefrei und trocken sind und die Temperatur zumindest im Plusbereich liegt. Viele werden jetzt aufjaulen: "Aber das Salz! Dein Motorrad wird dir unter dem Hintern wegrosten und zu Staub zerfallen! Und überhaupt, wer sein Moped liebt, tut ihm das auf gar keinen Fall an." Also gut, ich seh' das etwas entspannter. Wenn sie Salz abbekommen haben, fahre ich eben als Abschluss der Tour in die nahegelegene Waschanlage und gönne der jeweiligen Lady ein reinigendes und wohlriechendes Schaumbad. Notfalls tut's auch der Gartenschlauch.


In der kalten Jahreszeit fahre ich natürlich keine Ganztagestouren, ein paar Stunden reichen dann auch mir, bis der Wunsch nach heißen Tee und einer warmen Wohnung mich wieder Richtung Heimat fahren lässt. Ausserdem wird es dann ja schon recht früh dunkel.





In dieser Zeit werden mir Gegensätze beim Fahren besonders deutlich bewusst: Drinnen warm - auf dem Moped kalt, tags hell - nachmittags schon wieder dunkel, aber auch trockene Fahrbahn - nasser Asphalt, anregende Fahrt - ermüdende Tour, schneller Sprint - langsam dahinkriechen, wenn die Straße doch mal rutschig ist, abwechslungsreiche Eindrücke - langweiliges Getucker wegen der Straßenverhältnisse, tiefes Tal - aussichtsreicher Gipfel, Erholung - Gefahr....





Das macht aber, neben anderen Reizen, für mich das Spannende am Motorradfahren aus. Ich schwitze mir an einem Sommertag bei 35 Grad in der gleißenden Sonne die Seele aus dem Leib, um mich im nächsten Moment auf einer schattigen Waldstrecke abzukühlen.


Im Tal erfreuen sich meine Augen am satten Grün der Bäume links und rechts der Straße, und je höher ich die Anhöhe hinauffahre, umso weiter schweift mein Blick in die blaue Ferne und das Gefühl der Freiheit, fast wie für einen Vogel hoch am Himmel, wird immer stärker.





Auf einer geschlungenen verkehrsarmen Strecke oder (mit besserem Gewissen) noch mehr bei einem gelegentlichen Tag auf der Rennstrecke genieße ich die temporeiche Jagd durch die Kurven, die Beschleunigung durch die 125 beziehungsweise 160 temperamentvollen Pferde unter mir. Auf dem Heimweg gefällt es mir dann vielleicht, in aller Ruhe und stressfrei dahinzucruisen.





Aber inmitten von purer Fahrfreude und Spaß kann mich auch gelegentlich der Schreck überfallen. Wer kennt nicht die Situation, wenn man fröhlich vor sich hin singend (okay, das macht vielleicht nicht jeder, aber ich gerne und oft, es hört mich ja keiner) durch die Gegend kurvt und schlagartig dem Verderben in's Auge sieht: Der entgegenkommende Irre, der überholt und urplötzlich auf deiner Fahrspur auftaucht, der Linksabbiger, der dich übersieht und vor dem du in letzter Sekunde mit qualmenden Reifen und pochendem Herz zum Stehen kommst. Oder zum Beispiel bei einer meiner letzten kleinen Touren hier im Schwarzwald. Der Weg von Badenweiler über Sirnitz hinauf zum Kreuzwegpass ist eine geniale Strecke mit einer herrlichen Mischung aus engen Kehren und langgezogenen Kurven, die gerne flott durchzirkelt werden wollen. Und plötzlich prescht da ein Reh an den linken Straßenrand, sieht mich, erschrickt mindestens genauso wie ich und macht im letzten Moment eine 180 Grad-Kehrtwendung zurück in den Wald. Puuuh... Eine oder zwei Sekunden machten in diesem Moment den Unterschied zwischen "nochmal Glück gehabt" und Notarzteinsatz.




All diese Gegensätze sind Teil des Motorradfahrens und machen - womit wir wieder beim Anfang wären - das Salz in der Suppe aus, den Reiz der Abwechslung, abgesehen natürlich von Situationen wie der letzten, auf die ich gerne verzichte. Es spiegelt das Leben im Allgemeinen wider: Mal geht es rauf, mal runter, heute geht es mir vielleicht nicht besonders, morgen bin ich gut drauf, auf Regen folgt Sonne, Unbekümmertheit und Sorgen liegen nah beinander.


Wichtig ist allein, wieder unversehrt mit einem Lächeln von der Tour nach Hause zu kommen und dankbar dafür zu sein.





Ach ja, die Bildauswahl ist, passend zum Thema, bunt durcheindergewürfelt: Sommer, Winter, Frühjahr, Herbst, Morgen, Mittag, Abend, Nacht, farbig, schwarzweiss...

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